Wer war Heinrich Müller?
Wann und wo ist Heinrich Müller gestorben? Wer war Heinrich Müller? Die zweite Frage ist leichter zu beantworten als die erste. Müller war eine führende Persönlichkeit im Holocaust, der unmittelbare Vorgesetzte von Adolf Eichmann. Anders als Eichmann und viele seiner Kollegen in der SS und Gestapo wurde Müller nie vor Gericht gestellt.

Ein ungewöhnlicher Nazi
Fast alle hohen Nationalsozialisten waren für ihre etwas sonderbaren Liebhabereien und Eigenarten bekannt. War Müller ein Vegetarier wie Hitler? Nein, das war er nicht. Ein Drogensüchtiger wie Göring? Nein. Ein begabter Musiker wie Heydrich? Nein. Ein Meister der Effekthascherei wie Goebbels, der unbedingt Aufsehen erregen wollte? Ganz und gar nicht. Im Gegenteil! Er scheint es eher vermieden zu haben, fotografiert zu werden. War er ein Salonlöwe, versessen auf Uniformen verschiedenster Art, wie Göring? Keineswegs. Fasziniert von der Rassenbiologie wie Himmler? Auch das nicht. Ein glühender Antisemit? Wahrscheinlich nicht mehr als viele andern Bayern der damaligen Zeit. Ein Familienmensch, der seine Frau, sein Haus und seine Kinder an die erste Stelle setzte? Ganz sicher nicht. Religiös? Ja, ein gläubiger Katholik. Kommunistenhasser? Ja, zutiefst. War er ein Sadist, der seine Opfer gerne folterte? Möglicherweise, aber er ist eher für seine langwierigen, harten Verhöre bekannt. War er überhaupt ein gläubiger Nazi? Sehr ungewiss.
Ein gewöhnlicher Name
Seine relative Anonymität und Gewöhnlichkeit gelten auch für seinen Namen. Die mächtigsten Nazis sind alle unter ihren Nachnamen bekannt: Hitler, Göring, Goebbels, Himmler, Heydrich usw., aber Müller musste von der Nachwelt Gestapo-Müller genannt werden, um ihn von allen anderen Müllers in Deutschland zu dieser Zeit zu unterscheiden. Es gab sogar einen weiteren SS-General mit demselben Vor- und Nachnamen, Heinrich Müller, (1896–1945), Oberbürgermeister von Darmstadt. Die Taten und das Schicksal von Gestapo-Müller sind vielen Deutschen und Österreichern vielleicht immer noch bekannt. Aber in Schweden weiß man wenig von ihm. Es gibt also einen Grund, sein Leben zu beschreiben.



